Ein Besuch im Val Poschiavo
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Mein erster Besuch im traumhaft schönen Puschlav liegt bereits mehrere Jahre zurück und die Erinnerunngen sind mehrheitlich verschwommen. Es war also höchste Zeit für einen erneuten Ausflug. Gemeinsam mit einer Schulklasse aus Poschiavo haben wir im Italienischunterricht einen mehrtägigen Aufenthalt im Val Poschiavo geplant. In Poschiavo leben heute rund 3500 Einwohner, von denen nur sehr wenige Deutsch sprechen.
Die Anreise
Am 31. März 2008 war es dann endlich soweit: Mit dem Bernina Express ging es vom Churer Bahnhof direkt nach Poschiavo. Auf der rund vierstündigen Reise in den unteren Teil von Graubünden erhielten wir einen tollen Einblick in die hiesige Natur und Geografie.
Am Mittag kamen wir, erschöpft und erleichtert, endlich am Bahnhof an. Da unsere Italienischlehrerin in Poschiavo aufgewachsen ist, hatten wir keine Mühe, uns durch die kleinen Strassen bis zum einzigen Schulhaus in der Umgebung, gleich in der Nähe eines Tennisplatzes, zu begeben. Dort konnten wir fürs erste unser Gepäck deoponieren, damit wir als Erstes gleich das Dorf besichtigen konnten.
Museo Poschiavino
Unsere erste Station am Montag führte uns über die einzige Strasse mit einem Lichtsignal zum Museo Poschiavino, wo man einen sehr guten Einblick in die Wohn- und Lebenskultur der letzten 200 Jahre im Puschlav erhält. Am besten ziehen Sie sich warm an: Innerhalb der kühlen Steinmauern ist es auch im Sommer sehr frisch!
Früher hat hier unter anderem der Bürgermeister von Poschiavo gewohnt. Die Standuhr im Wohnzimmer galt für alle Einwohner als Richtwert. Eindrücklich ist auch die hauseigene Kapelle, an der Wand hängen verschiedene Bilder von Heiligen. Für eine reiche Familie war es früher nämlich selbstverständlich, eine eigene Kapelle zu haben.
Im Dachstock wurden zudem die Kinder von einem eigenen Lehrer unterrichtet, da es keine öffentlichen Schulen gab. Die Notizen und Rechnungen schreibte man noch auf kleine Tafeln, die man immer wieder abwischen konnte.
Das Haus, aus dem das Musuem entstanden ist, bietet auch eine umfangreiche Waffensammlung mit verschiedenen Flinten, Pistolen und sogar Bärenfallen. Im Erdgeschoss gibt es eine Ausstellung von Geräten und Werkzeugen, die beim Ackerbau verwendet wurden.
Dorfrundgang
Als Nächstes besichtigten wir nun endlich das kleine Dorf nahe der schweizerisch-italienischen Grenze. Die idyllische Altstadt mit ihrer UBS-Filiale und der Gelateria an der Piazza Communale mit einem erstklassigen Eis und kleinen Souvenir-Shops lädt wirklich zum Verweilen ein.
Was auffällt: In unmittelbarer Nähe stehen zwei Kirchen, was allerdings auf die Reformation im Jahre 1547 zurückzuführen ist.
Eine kleine Sehenswürdigkeit ist auch das spanische Viertel. Pikant: Die Puschlaver, die diesen Baustil in ihr Dorf holten, waren eigentlich gar nicht in Spanien, sondern in England!
Casa Tomé
Ein weiteres Highlight unseres dreitägigen Aufenthalts war die Besichtigung eines uralten Hauses mitten in der Altstadt – das Casa Tomé. Im Keller, wo früher ein Stall untergebracht war, lernten wir, wie man mit blossen Händen einen Besen herstellen konnte. Im kleinen Garten probierten wir uns im Ackerbau. Ob aus den Samen etwas geworden ist, weiss ich allerdings nicht.
In der Küche hat uns Frau Berchier, mit der Unterstützung von zwei weiteren Helferinnen, eine kulinarische Spezialität aufgetischt: Pizzocheri (Spätzli) mit Gemüse. Unbedingt ausprobieren muss man auch die Brasciadella, ein Ringbrot, dass man entweder über Monate lang steinhart getrocknet oder ganz frisch geniessen kann. Ob es getrocknet genau so gut schmeckt wie frisch aus dem Ofen, kann ich jedoch nicht beurteilen.







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